Plzeňské sympozia

Lucie Vlčková

Die Veränderungen des Motivs der alten Frau am Ende des 19. Jahrhunderts

271–282 (tschechisch), Resumé S. 282–283 (deutsch)
Das Motiv der alten Frau ist in der bildenden Kunst der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts oft verwendet worden, lange Zeit hindurch jedoch ohne symbolische Konnotationen. Die spätere Entwicklung in den neunziger Jahren hat für das Motiv der alten Frau die traditionellen symbolischen Hinweise wieder aufgegriffen, hat jedoch auch auf bisher nicht gewesene Art gegenüber einem wünschenswerten Frauenbild polarisiert. Eine alte Frau als Gegenteil zu einem sexuellen Objekt bzw. einer Gebärerin zeigt die Grenzformder Tendenzen auf, die den Raum der männlichen Wahrnehmung der Welt bestimmen. Die Studie analysiert u. a. Bilder und eines der Gedichte desLandschaftsmalers František Kaván aus der zweiten Hälfte der neunziger Jahre. In Kaváns Der Verfallwird eine weitere Dimension des Bildes einer Frau als Bestandteil des existentiellen Symbols visualisiert, das bereits der Dichter Karel Hynek Mácha als „Mutter-Erde“ und „Erde-Grab“ thematisiert hatte. In seinem Bild der Landschaft, des Naturgeschehens, ist Kaván zu einer eigenartigen Inversion der Bedeutung gelangt, indem er das Motiv der alten Frau einem Menhir angeglichen hat. Die ganze Skala der Frauenbilder des fin de si?cle, einschließlich solcher Grenzformen, kann man mit Hilfe der späteren Tief- bzw. archetypalen Psychologie von Carl Gustav Jung besser verstehen, nach dem im zeitgemässen Bild und dem Erlebnis der Welt die „anima“ mit ihrem „Schatten“ zur Geltung komme. Nach ihrer Visualisierung haben diese Inhalte ihre ursprüngliche Anziehungskraft verloren, was auch einer der Gründe ist, warum das Motiv der alten Frau an der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert nicht mehr so häufig verwendet wurde.
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