Plzeňské sympozia

Jitka Ludvová

Der Pensionsverein des Prager deutschen Theaters

179–188 (tschechisch), Resumé s. 189 (deutsch)
Im März 1803 wurde nach Wiener Vorbild aufgrund der Beiträge des Adels die Tonkünstler-Societät in Prag gegründet, die erste den Künstlern dienende soziale Institution in den böhmischen Ländern. Ihre Aufgabe war es, die Musikerwitwen und -waisen zu versorgen. Im Jahre 1805 wurde am Prager Ständetheater ein zweites derartiges Institut für die Künstler gestiftet, der Pensionsfonds (die Statuten in: Prager Theater-Almanach auf das Jahr 1808), der als Bestandteil des Theaterbetriebs von der Theaterkommission der Stände und dem Direktor (Pächter) des Theaters garantiert wurde; dieser war auch verpflichtet, selbst für den Fonds beizutragen. Der Fonds war nur für jene Solistenbestimmt, die seit dem Jahre 1815 2% ihrer Gage als Beitrag eingezahlt hatten. Ab 1839 hatte der Verein im Theater-Almanach eine selbständige Rubrik, ab 1849 wurde eine Übersicht über die gewährten Pensionen veröffentlicht (im Jahre 1848 waren es 10 Pensionisten). Im Jahre 1862 wurde ein ähnlicher Fonds auch beim selbständig gewordenen tschechischen Interimstheater gegründet. Wahrscheinlich im Jahre 1912 hat sich der deutsche Pensionsverein des Ständetheaters mit anderen Prager deutschen Fonds vereinigt, die für die Choristen, Orchestermitglieder und technischen Angestellten bestimmt waren. Dieser Pensionsverein hat bis zum Ersten Weltkrieg unter den selben Bedingungen funktioniert; er hat außerhalb einer öffentlichrechtlichen Versicherung auch eine private Versicherung geboten. Während des Krieges hat der Fonds infolge der Kriegsanleihen großeVerluste erlitten und sein Übergang in den rechtlichen Rahmen der Tschechoslowakischen Republik wurde noch durch die Beschlagnahme des Ständetheaters seitens des tschechischen Ensembles verkompliziert. Die finanziellen Verluste wurden in den zwanziger Jahren dank der Beiträge der Prager deutschen Industriellen ausgeglichen. Im Jahre 1929 wurde der Fonds von der wirtschaftlichen Krise getroffen, sodass im Jahre 1932 die Auszahlung der Pensionen für einige Zeit unterbrochen werden musste. 1934–1937 wurde über seine Auflösung verhandelt, die jedoch aufgrund der Zwangsverwaltung, die über die seine Gebarungen verwaltende Bank verhängt worden war, verzögert werden konnte. Nach der Wiederaufnahme seiner Tätigkeit wurde der Verein kurz vor dem Münchener Abkommen (nach 135 Jahren seines Bestehens) aufgelöst und der Rest des Fonds unter den verbliebenen Mitgliedern aufgeteilt. (Die Geschäftsbücher des Pensionsvereins für die Jahre 1805–1912 befinden sich im Nationalarchiv, Fonds des Nationaltheaters, die Dokumente aus der späteren Zeit im Archiv der Hauptstadt Prag.)
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