Plzeňské sympozia

Luboš Konečný

Giovanni Morelli: Ein Kunsthistoriker als Kenner des (gemalten) menschlichen Körpers

218–225 (tschechisch), Resumé S. 225 (deutsch)
Der bis vor Kurzem fast vergessene Italiener Giovanni Morelli (1816–1891) wurde dank einer epochemachenden Studie von Carl Ginzburg aus dem Jahre 1978 zu einer Schlüsselpersönlichkeit der Verwandlung des epistemologischen Paradigmas, das in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts formuliert worden war. Wie Sherlock Holmes in den kriminalistischen Erzählungen von Arthur Conan Doyle einen Verbrecher aufgrund seiner kleinen Beobachtungen und Indizien, die von den meisten Menschen überhaupt nicht bemerkt worden wären, identifiziert hat, hat Morelli als Kenner der bildenden Kunst die Maler dank seiner genauer Beobachtung und dem Vergleich der an verschiedenen Gemälden abgebildeten Ohrmuscheln, Augen und Finger identifiziert. Die nach ihm genannte „Morellische Methode“ hat er während seiner Studien an der Universität München entwickelt, an der er sich vor allem der vergleichenden Anatomie (bzw. Osteologie) und Taxonomie gewidmet hat. Durch die naturwissenschaftlichen Methoden beeinflusst, hat er versucht, diese in eine „strenge kunsthistorische Kennerschaft“ zu verwandeln, die in Opposition zum intuitiven Zugang der Kenner im 17. und 18. Jahrhundert stand. Seine Methode der Konzentration auf die automatischen und unbewusst verwendeten Grundformen wurde von Sigmund Freud in seinem Essay Der Moses des Michelangelo aus dem Jahre 1913 als Parallelle zu seiner eigenen psychoanalitischen Methode anerkannt.
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