Jitka Bajgarová – Josef Šebesta

Musik der Karlsbader Kolonade in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts oder Böhmen tanzt sich an Beseda heran

268–279 (tschechisch), Resumé S. 279–280 (deutsch)
Auch im Biedermeier war das Volkslied eine der bedeutendsten Inspirationsquellen des Musikschaffens jener Zeit. So griff auch der erfahrene Komponist, Geiger und Dirigent des Karlsbader Kurorchesters Josef Labitzky (1802-1881), ein Nachkomme polnischer Emigranten, auf sie zurück. Angeregt durch die Ergebnisse der gubernialen Sammlungsaktion 1819, so wie sie von dem Direktor des Prager Konservatoriums Friedrich Dionys Weber zu der sog. Kolowrat-Handschrift verarbeitet und von Johann Ritter von Rittersberg in dessen Sammlung *Böhmische Volkslieder* im Jahre 1825 herausgegeben wurden, schuf er drei Orchesterarrangements (Op, 28. 41 und 53), die in Prag und Leipzig erschienen sind. Mit diesem neuartigen Repertoire erweckte er in den Jahren 1837-1839 Begeisterung und sogar Erstaunen nicht nur in Prag und Böhmen, sondern auch auf Auslandstourneen (u. a. in Sankt Petersburg). Aus einem Vergleich seiner Liedfolgen mit der Rittersbergschen Sammlung geht hervor, daß Labitzky nahezu alle Lieder samt Benennung, und in den meisten Fällen auch Tonart, von Rittersberg übernommen hat. Laut Zeitzeugen waren Labitzkys Potpourris nicht nur zum Anhören, sondern auch zum Tanzen bestimmt. So konnten wir in ihnen eine ganze Reihe von Tänzen (Ländler, Polka, Walzer, Rauchfangfegertanz, Häckerling, Kalamaika, Dudelsackpfeifertanz, Stampfer, Tumineltanz, Winker, Furiant) identifizieren, was uns auf den Gedanken eines möglichen Zusammenhangs mit der berühmten späteren Tanzserie Česká beseda, die 1862 in Prag zum ersten Mal getanzt wurde, brachte. Aus einer Gegenüberstellung der orchestralen Liedfolgen Labitzkys mit der bekannten Version der um 25 Jahre jüngeren Česká beseda ergibt sich für uns die Schlußfolgerung, daß die Ähnlichkeit keineswegs zufällig ist und daß die Tanzkompositionen von Labitzky offenbar seit dem Ende der dreißiger Jahre über die ersten tschechischen Bälle in den vierziger Jahren bis hin zu der Česká beseda, welcher der Komponist Ferdinand Heller und der Tanzineister Karel Linek ihre definitive Gestalt verliehen haben, tradiert wurden. Sie bilden somit gleichzeitig eine Verbindung zwischen der neuen, national und kulturell emanzipierten Zeit nach 1860 und der 1819 durchgeführten ersten systematischen Volksliedsammlung Österreichs.
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