Jiří Kopecký

Eine Oper für das Nationaltheater, eine Opernfigur im Dienste der Nation

S. 141–156 (tschechisch), 157 (deutsch)

Der Eröffnung des Nationaltheaters im Jahr 1881 ist ein Opernkonkurs voraus gegangen, dessen Ziel es war, ein repräsentatives Werk zu initiieren, das für die Inbetriebsetzung einer so bedeutenden Institution geeignet wäre. Für den Wettbewerb waren vier Werke anonym eingereicht worden, allerdings war der Jury die Autorschaft der Opern Libuše, Blaník und Černohorci (Die Montenegriner) bekannt: Die Ouvertüren zu Smetanas Libuše und zu Fibichs Blaník wurden bereits öffentlich aufgeführt, bevor die Opern für den Wettbewerb angenommen worden waren. Karel Bendl hat außer seinen Černohorci auch die komische Oper Starý ženich (Der alte Bräutigam) angemeldet, die jedoch aus rein künstlerischen Gründen ausgeschlossen wurde. Wie erwartet, hat Libuše den 1. Preis erhalten, Fibich und Bendl haben die für die ausgeschlossene komische Oper bestimmte finanzielle Summe miteinander geteilt. Die Ansprüche an eine Oper, durch die die Nation auf höchstem Niveau repräsentiert werden sollte, zeigte sich in der Wahl von Opernvorbildern höchsten Anspruchs (das Musikdrama Wagners, französische grand opéra). Eine der Konsequenzen dieser Vorbilder hat auch die Gestaltung der Hauptpersonen beeinflusst, indem deren die für die Oper jener Zeit üblichen Ausdrücke eigener Gefühle in den Soloauftritten - und damit ihre eigene Individualität - unterdrückt wurde. Während die Nebenfiguren ihr Privatleben ausleben durften, sind individuelle Motive bei den Hauptrollen - wie die Striche in Libretti und Skizzen, Reaktionen auf die Kritik und überarbeitete Fassungen zeigen - im kompositorischen Prozess zugunsten von deren völliger Hingabe an den Dienst der Nation absichtlich reduziert.

Schlüsselworte: Bedřich Smetana – Libuše – Oper

 

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