Plzeňské sympozia

Kateřina Piorecká

Aus den „nächtlichen Streifzügen“ von Josef Kajetán Tyl. Die Peripherie in Bilder aus meinem Leben in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts

S. 342–351 (tschechisch), Resümee S. 352 (deutsch)

In der Mitte der 30er Jahre des 19. Jahrhunderts wird das „Lebensbilder“ genannte Genre, später nach einem russischen Vorbild „črta“ – Skizze genannt, in die tschechische Literatur übernommen. Es wurde allmählich als ein kurzer Prosatext ohne Sujet oder mit einer einfachen Handlung definiert, eine formal freie Komposition an der Grenze zwischen Publizistik und Belletrie, die die subjektive Stellungnahme ihres Autors ausdrücken sollte. Thematisch hat sich diese Linie vor allem an die Stadt und ihre sozialen Probleme orientiert. Die Alltäglichkeit der Großstadt und ihre geographische und soziale Peripherie war bis dahin aus der ästhetischen Perspektive der tschechischen Gesellschaft als eine schockierende Unzukömmlichkeit wahrgenommen worden. J. K. Tyl hat in seinem unvollendeten Zyklus „Aus den nächtlichen Streifzügen durch die Prager Städte“ den Leser zum ersten Mal mit den Prostituierten, Alkoholikern und Falschspielern konfrontiert. In der Mitte der 30er Jahre war das zusammen mit der Erzählung „Márinka“ von Karel Hynek Mácha der vereinzelte Versuch, ein bisher vernachlässigtes Thema und eine neue Schreibart in die tschechische Literatur einzuführen, die als protorealistisch bezeichnet werden kann.

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