Plzeňské sympozia

Stanislava Musilová (Klečáková)

„Gefallene Frauen“ in einer Mikrosonde. Emanzipierung versus Pauperisierung

S. 254–265 (tschechisch), Resümee S. 266-267 (deutsch)

Im Zusammenhang mit der sozialen Situation der Frauen im Zeitraum des langen 19. Jahrhunderts wird die Emanzipierung üblicherweise als eine Verbesserung der Stellung der Frauen in der Öffentlichkeit genannt. Auf der anderen Seite kam es in den sich entwickelnden Städten zu einer anderen Situation, in der die Frauen moralisch und gesellschaftlich degradiert wurden. Die Frage lautet, ob man die konkreten Schicksale der „gefallenen“ Frauen als die Kehrseite der Emanzpierung verstehen kann. Ist es überhaupt möglich, einen direkten Zusammenhang zwischen ihr und der Pauperisierung der Frauen herzustellen und zugleich eine pauschale Veurteilung des ganzen Emanzipierungsprozesses zu vermeiden? Mit Hilfe der im Zusammenhang mit dem Frauengefängnis im Prager Bezirk Řepy entstandenen strafrechtlichen Quellen wurde es ermöglicht, im Verhalten der bestraften Frauen einige emanzipatorischen Strategien zu beobachten. Als Grundkriterium wurde in der Studie die Selbständigkeit einer Frau auf der materiellen und sexuellen Ebene gewählt sowie ihre Fähigkeit, die verbrecherischen Handlungen anderer Personen zu organisieren. Trotz dieser vereinzelten Fällen kann man feststellen, dass das Verhaltensmuster und die Handlungsweise der bestraften Frauen eher die Rigidität der kriminalisierten Schichten widerspiegeln, die auch in der Zeit der fortschreitenden Modernisierung ihren vormodernen Charakter beibehalten hat und von denen die Emanzipation der Frauen von vornherein ausgeschlossen blieb.

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