Plzeňské sympozia

Hana Svatošová

Die Anfänge des kommunalen sozialen Wohnbaus am Beispiel von Wien und Prag

S. 204–218 (tschechisch), Resümee S. 220-221 (deutsch)

Für viele Zuwanderer, die im 19. Jahrhundert in den Städten Arbeit gefunden hatten, war die Wohnungssuche ein großes Problem, wodurch sie vom spekulativen Bau der Zinshäuser abhängig waren. Die überfüllten Wohnungen mit absolut ungenügenden hygienischen Bedingungen hatten verheerenden Einfluss auf die Lebensbedingungen und die Gesundheit der Mieter. Dieses Problem hat vor allem Wien betroffen. Bauherren und Volkshygieniker, später auch die sttaatlichen- und Kommunalorgane haben nach einem Ausweg aus dieser Situation gesucht. Die Gemeinden in Österreich-Ungarn waren lange Zeit hindurch bei der Meinung geblieben, dass lediglich die traditionelle Armenfürsorge, nicht jedoch die Sorge für – was die Miete und Hygiene betrifft – akzeptablen sozialen Wohnungen in ihre Kompetenz falle. Für die Behebung dieses Mangels hat der Staat nunmehr eine Reihe von Maßnahmen ergriffen. Im Jahre 1907 wurde die Zentralstelle für Wohnungsreform in Österreich gegründet und Landes-Zweigstellen errichtet. Die Situation in Prag und in Wien war aus verschiedenen Gründen verschieden: Die Raumdispositionen beider Städte und somit die Größe und Zahl potentieller Grundstücke waren verschieden,  ebenso die sozialen Probleme, die Anzahl an der minderwertigen Wohnbauten und die politischparteiliche Struktur der Bevölkerung. Die Christlichsozialen haben in Wien änderungen der Vorschriften verhindert, die zur Verbesserung des Hausbaus hätten führen sollen. Erst die Wirtschaftskrise 1909−1911 hat die Wiener Stadtverwaltung veranlasst, neue Richtlinien für den Handel mit Grundstücken und ein neues Konzept der Wohnungspolitik zu entwickeln, womit sie den Interessen ihrer Wähler entgegenzukommen bemüht war. Vor dem  Ersten Weltkrieg wurden Notstandswohnungen für kinderreiche Familien gebaut. Auch die Vertreter der Prager Gemeinde haben lediglich die Interessen der eigenen mittelständischen Wähler vertreten und zur Förderung des sozialen Wohnbaus praktisch nichts unternommen. In der Stadtvertretung wirkte die angesehene sozial-humanitäre Kommission. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg hat man sich entschlossen, zwei Häuser für kleine Gewerbetreibende im Stadtzentrum zu bauen. Gleichzeitig wurde ein Kuratorium zur Verbesserung der Wohnverhältnisse in Prag und Umgebung gegründet, in das die Stadt ein Kapital von 200 000 Kronen investiert hat. Das Kuratorium sollte ein Ledigenheim für 500 Personen im Bezirk Libeň errichten. Budapest hat im Gegensatz zu Wien und Prag zu dieser Zeit 6500 Arbeiterwohnungen gebaut. In der Folge der gesellschaftlich-politischen Veränderungen nach dem Krieg hat sich die politische Struktur der Stadträte in Wien und Prag nach links verlagert. Erst dann haben diese Städte, obwohl in unterschiedlichem Ausmaß, den kommunalen sozialen Wohnbau eingeleitet.

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