Jan Mergl
Handwerk als Kapital
Das handwerkliche Kapital der böhmischen Glasgraveure, d. h. das Potenzial, das in ihren handwerklichen Fähigkeiten, ihrem Fachwissen und ihrem künstlerischen Talent steckt, trug dazu bei, dass der Ruhm der böhmischen Glasherstellung sich seit dem 17. Jh. verbreitete. In der Zeit der Krise der böhmischen Glasherstellung (Mitte des 19. Jh.) spielte es eine grundlegende Rolle. Zu dieser Zeit traten die Glasgraveure aus der Region um Kamenický Šenov (Steinschönau) in den Vordergrund, deren „Kapital" es ihnen ermöglichte, Kontakte zu führenden ausländischen Herstellern und Händlern von Luxusglas zu knüpfen. Zur Wiederbelebung der Bedeutung des gravierten Glases trug insbesondere die Wiener Firma J. & L. Lobmeyr bei, deren fortschrittliche künstlerische und stilistische Ausrichtung zur Entwicklung einer Zusammenarbeit mit den Graveuren in Böhmen führte. Die für beide Seiten vorteilhaften Verbindungen spiegelten sich in der böhmischen Glasproduktion wider und trugen dazu bei, dass sie ihre herausragende Stellung behaupten konnte.
Schlüsselwörter: Tschechien – Österreich – 19. Jahrhundert – graviertes Glas – handwerkliche Fähigkeiten – Böhmen – Firma J. & L. Lobmeyr
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