Eva Blinková Pelánová
"Moderne Befriedigung" und die Erziehung des Gefühls im Kontext des literarischen Naturalismus. Zwei markante Möglichkeiten in einer fiktionalen Welt?
Am Beispiel des Zyklus Die Rougon-Macquart (1871-1893) von E. Zola und der Erzählung Úvodník (Leitartikel, 1916 als Buch erschienen) von Karel Matěj Čapek Chod wird im Beitrag der Axiologiefrage im Kontext des literarischen Naturalismus nachgegangen. Während Zolas belletristischer Zugang soziologische Gesetzmäßigkeit zu entdecken scheint und sein Erzähler nicht zögert, die Verfallstendenzen bloßzustellen, ist Čapeks Einstellung von einem noetischen Skeptizismus geprägt, der allerdings nicht explizit vom Erzähler postuliert wird und auch in der Regel keine Distanz zum Erzählten impliziert. Anhand des Motivs der Arbeitspferde (aus Germinal) zeigt der Beitrag die Bedeutung der Leitmotivarbeit bei beiden Autoren auf. Die identische Anwendung der Leitmotivik verweist jedoch auf eine unterschiedliche Konzeption der Axiologie, die bei Zola offensichtlich und im Wesentlichen didaktisch ist, während sie sich bei Čapek Chod als eine schrittweise zunehmende grundsätzliche Skepsis und dies auch trotz den ursprünglichen Überzeugungen des Protagonisten oder trotz Eindruck profiliert, den die Geschichte oder ihre Elemente zunächst auf den Leser machten. Im gesamten Werk von Čapek Chod kommt wiederholt eine Situation vor, in der die Figuren plötzlich das Illusorische ihrer ursprünglichen Vorstellungen einsehen. In Anlehnung an Flauberts Roman wird dies als das Schema der Erziehung des Gefühls bezeichnet.
Schlüsselwörter: Tschechien – 19. Jahrhundert – literarischer Naturalismus – Karel Matěj Čapek Chod – Gustave Flaubert
design by Bedřich Vémola