Jan Budňák
"Wertlose Bücher gar nicht ausgeliehen." Bildung und Verhalten der Arbeiterleser nach 1900 aus Beispiel der Bibliothek des Arbeiterakademie
Die 1896 gegründete Prager Arbeiterakademie war bereits Ende 19. Jh. zu einer zentralen sozialdemokratischen Bildungseinrichtung geworden. Die Zahl der Leser, die ihre Prager Bibliothek besuchten oder Bücher aus Wanderbibliotheken lasen, wuchs rasch an. Die Arbeiterakademie versuchte auch, den Betrieb und vor allem den Bestand anderer Arbeiterbibliotheken zu regeln, u. a. durch das schrittweise erweiterte Handbuch Vzorná spolková knihovna dělnická (Die Musterbibliothek des Arbeitervereins, 1902, 1909, 1920). In diesem Beitrag werden (skizzenhafte) statistische Angaben zu den Lesepräferenzen der Bibliotheksbesucher der Arbeiterakademie kommentiert und mit den Vorstellungen zeitgenössischer sozialdemokratischer Pädagogen über den Arbeiter als Leser konfrontiert. Dabei wird gezeigt, dass die Harmonie zwischen den Lesern aus der Arbeiterklasse und den sozialistischen Bibliothekaren, die zum Beispiel in den Beiträgen in Dělnická osvěta (Arbeiterbildung) zu herrschen scheint, durch die spezifische Selektion der Bestände dieser Bibliotheken bedingt war.
Schlüsselwörter: Tschechien – 19. Jahrhundert – 20. Jahrhundert – Sozialdemokratie – sozialistische Bildung – Arbeiterakademie – Arbeiter als Leser – František Václav Krejčí – Edvard Hegner – Jan Veis
design by Bedřich Vémola