Stanislav Knob
Von einer spontanen Bewegung zum Verhandlungstisch. Die Streiks im langen 19. Jahrhundert
Der Beitrag bringt eine übersicht von grundlegenden Fakten über die Streikbewegung im 19. Jahrhundert. Mehr als den statistischen Daten widmet sich der Autor jedoch den Verwandlungen der Streiks, er untersucht ihren Zusammenhang mit der sozialen Frage aus dem Gesichtspunkt der ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen änderungen des diesbezüglichen Zeitraums. Die größte Aufmerksamkeit ist dem Einfluss der Streiks als stärksten Druckelements des Arbeiterwesens gewidmet. Der Autor vertritt die Meinung, dass sich die Streiks von einer spontanen illegalen Bewegung zur organisierten Form eines Druckmittels gewandelt haben, das von den Arbeiterorganisationen (vor allem den Gewerkschaften) zur Stärkung ihrer Position bei den Verhandlungen mit den Arbeitgebern und dem Staat angewendet wurde. Mit der Zeit suchte man auch nach anderen Formen des Druckes (öffentliche Versammlungen, Resolutionen), aber auch der sozialen Aussöhnung, und zwar mit Hilfe der sogenannten Institutionalisierung der Konflikte (Kollektivverträge, Schiedsgerichte). Nach Hans Ulrich Wehler wird dieses Element als einer der grundlegenen Subprozesse der sog. Modernisierung bewertet. Die Verwandlung der Formen der Druckmittel wird im breiteren Kontext eines Modernisierungsprozesses behandelt.
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